*+* Deniz Selek: „Aprikosensommer“ *+*

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aprikosensommer.

Liebe Lesefreunde,

kennt ihr eure Eltern und somit eure Wurzeln?
Ich für meinen Teil kann diese Frage mit einem klaren „Ja“ beantworten.
Evelyn kann dies leider nicht. Sie kennt nur ihre Mutter, von ihrem Vater weiß sie nur, dass er türkischer Abstammung ist und ein Urlaubsflirt ihrer Mutter war.
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Eva kennt noch nicht einmal den Namen ihres Vaters und dieses Nicht-Wissen stürzt sie nach und nach in eine immer tiefere Identitätskrise.
Ich war zwischendurch sehr wütend auf ihre Mutter und enttäuscht von ihr. So schwer es ja auch sein mag, sich seiner Vergangenheit zu stellen, man bzw. frau sollte es dennoch dringend tun. Wenn schon nicht für das eigene Seelenheil, dann aber zumindest für die aus der Urlaubsliebe entstandenen Kinder. Auch wenn ich selbst nicht von diesem Schicksal betroffen bin, kann ich mir gut vorstellen, wie unerträglich diese Ungewissheit für Eva sein musste. Sie kannte nicht nur ihren Vater nicht, sondern auch nicht diese völlig andere Kultur, die neben dem Deutschen in ihr schlummert.
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Als sie glaubte, ihr Schicksal nicht mehr ertragen zu können, hatte sie Glück. Die bisher unnachgiebige Mauer des Schweigens ihrer Mutter bekam Risse. Zu viel war in den letzten Stunden und Tagen auf das Team Mutter-Tochter eingeprasselt – Glück im Unglück für Evelyn. War es ihr schlechtes Gew
issen, das sie bewegte, Evas Wunsch, endlich nach ihrem Vater zu suchen, nachzugeben? Oder brach sich endlich ihre Sehnsucht nach der alten Liebe Bahn, die sie zu ihrem gedanklichen Reset führte? Vielleicht war es auch eine Mischung aus beidem. Ich freute mich jedenfalls sehr für das Mädchen, das sie endlich eine Chance bekam, den fehlenden Teil ihrer Identität aufzuspüren.
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„Aprikosensommer“ ist ein interessanter Jugendroman, dessen Titel auf ein Ereignis hinweist, das erst noch stattfinden wird. Ebenso ungewöhnlich ist es, dass das Buch mit einem Ende beginnt und mit einem Anfang abschließt. Dieser ungewöhnliche Aufbau spiegelt sehr schön das ungewö
hnliche Leben von Evelyn wider. Es sind nicht nur ihre „halben“ Wurzeln, die sie von anderen unterscheidet, auch sonst verläuft ihr Leben nicht gerade nach allgemeingültigen Maßstäben. Eva ist taff, sie ist mutig – und verzweifelt motiviert, endlich ihr Ziel zu erreichen!
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Wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Natürlich steht die Geschichte von Evelyns Familie nicht stellvertretend für alle anderen Schicksale dieser Art. Nicht immer ist eine Suche in dieser Form möglich, nicht immer wird sie so verlaufen, aber die Entwicklung in diesem Roman zeigt beispielhaft, wie eine solche Suche nach seinen Ursprüngen verlaufen könnte.

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Die Gefühle und die Gedanken sind bei Evelyns Eltern recht kurz gehalten. Die Ängste und Sehnsüchte werden zwar angerissen, aber so detailliert wie bei der Tochter beschreibt sie die Autorin nicht. Ebenfalls nur großzügig angerissen sind die Familienverhältnisse in der Türkei sowie das Feeling in diesem für Evelyn bis dato völlig unbekannte Land.
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Mich hätte sehr ein tieferer „Gefühlsblick“ in die türkische Seite der Familie interessiert. Ebenfalls wäre ich sehr gerne viel tiefer in das Istanbul-Feeling eingetaucht…Sehe
nswürdigkeiten, Geschichte, Traditionen im Wandel der Zeiten, Lebensgefühl, und und und.
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Da aber Ewwas – wie ihr Vater den Namen ausspricht – größter Wunsch lautet: „Ich möchte wiederkommen. Ich möchte bald wieder hierher kommen.“ habe ich meinerseits die große Hoffnung, dass die Autorin auch über diese zweite Reise zu Evas Wurzeln schreiben wird um das Mädchen – und uns Leser gleich mit – mit detaillierterem Wissen zu den oben erwähnten Punkten zu versorgen.
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Natürlich interessiert es mich auch brennend, wie das zarte Pflänzchen des Neubeginns angehen wird und welche Blüten es möglicherweise treiben wird…..

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Infos zum Buch:
„Aprikosensommer“ von Deniz Selek ist im März 2015 unter der ISBN-Nr. 978-3-7335-0066-5 bei den Fischerverlagen erschienen. Der Jugendroman ist auch als Ebook erhältlich.
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Inhalt:
Die berührende Suche eines Mädchens nach ihrem Vater,
nach der eigenen Identität und die Geschichte einer ersten Liebe
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Eve fliegt mit ihrer Mutter nach Istanbul, um ihren Vater ausfindig zu machen. Fünfzehn Jahre lang hat ihre Mutter alle Fragen nach ihm abgeblockt. Als er dann tatsächlich vor Eve steht, hat sie das Gefühl, endlich den fehlenden Teil ihrer Identität gefunden zu haben. Und dann ist da auch noch ihr Dolmetscher Sinan, in den sie sich Hals über Kopf verliebt …
Quelle: Fischerverlage

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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