*+* HÖRBUCH: Erik Axl Sund: „Narbenkind“ *+*

Narbenkind--1-MP3-CD-9783844515329_xlLiebe Lesefreunde,
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weiter geht es hinein in den „Fall Bergman“. Mit den Charakteren wurde der Leser/ Hörer im ersten Teil, dem Krähenmädchen sehr gut vertraut gemacht. Mir hatten sich diese ganz gut ins Gedächtnis gebrannt, da das Autorenduo ihnen allen wirklich ein gutes Profil und Tiefgang verpasst hat. Ebenso stark geht es bezüglich der Darsteller im zweiten Teil der Trilogie weiter. Neue Personen kommen hinzu, andere, die im Eingangsband nur gestreift wurden, werden vertieft.
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Die Geschichte bekommt ganz schnell eine Eigendynamik und wendet sich einer ganz anderen Thematik zu. Hier ist das Erzähltempo höher als im Krähenmädchen. Auch wenn phasenweise keine Handlungen erfolgen, ist das Hörbuch durchgehend spannend. Vor allem vermochten mich die tief psychologischen Ausflüge einzufangen. Voller Faszination lauschte ich den Auswüchsen der menschlichen Psyche. War bestürzt, welche Odysseen die Opfer ertragen mussten, war aber ebenso erschüttert, welchen Spiegel sie darstellten, indem sie selbst das Böse ausübten.
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Das Schlimme daran war, dass ich mit einigen Tätern mitfühlte – sie taten mir unendlich leid ob ihrer eigenen Vergangenheit – ich konnte ihr Handeln nachvollziehen aber keineswegs tolerieren oder gar akzeptieren. Da saß ich manchmal in einer schönen Zwickmühle von Moral und Anstand.
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Das Morden geht im Narbenkind weiter. Jedoch sind es hier nicht Kinder, die getötet werden, sondern es geht einigen Erwachsenen an den Kragen. Schon bald ahnte ich, dass all diese Menschen etwas verbinden musste….aber was?
Da ich zum Glück vorab Krähenmädchen gehört hatte, hatte ich genug Hintergrundwissen, um die Geschehnisse verstehen zu können. Die Zusammenhänge waren mir somit schnell klar, jedoch war ich ziemlich überwältigt – im negativen Sinne-, wie kreativ eine kaputte Psyche sein kann, wie raffiniert sie die Fäden ziehen kann und wie weitreichend die Folgen sind.
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Das war Gänsehautlauschen, schrecklich! Dennoch übte die Geschichte eine Sogwirkung auf mich aus und ich hörte weiter, wann immer es möglich war. Zu neugierig war ich auf die weiteren Wendungen und Ausflüge in des Menschen Inneren.
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Immer wieder fragte ich mich: Wer ist wer? Und warum? Sind wirklich alle so, wie sie zu sein scheinen? Bis diese Fragen gelöst waren, musste ich bis ganz zum Ende der Trilogie warten. Aber auch die Zwischenergebnisse riefen immer wieder erstaunte innere Ausrufe des Staunens in mir aus….
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Ich glaubte mich zu schnell der Auflösung nahe, aber weit gefehlt! Immer häufiger beschäftigte mich die Frage, was vom Gehörten real, was Fiktion ist – auch wenn es im Kopf der betreffenden Person als reine Wirklichkeit erschien.
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Erk Axl Sund legt seine Geschichte mit lockeren Brettern aus, die einen Weg erahnen ließen…..Holzweg oder die Straße zur Lösung?
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Ist der mir offensichtlich scheinende Charakter auch wirklich der Schuldige, oder gibt es noch einen Plan B, den ich nicht auf dem Schirm hatte?
Was dann eine weitere Steigerung an krankhafter, grausamer Psyche bedeuten würde…. Ganz abwegig schien es mir nicht, waren die Taten doch von tiefster Verbitterung und größtem Hass getrieben.
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Auch im Narbenkind setzt sich der Stil des ersten Teils mit seinen wechselnden Perspektiven fort, die mich stellenweise sehr verwirrten. Das empfand ich als großartiges Stilmittel, um die zunehmende Verwirrung der Psychotherapeutin Sofia Zetterlund zu unterstreichen. Sie versucht, ihr schweres eigenes Schicksal selbstständig zu lösen, glücklicherweise stand ihr jemand bei und unterstützte sie.
Sofia war für mich der mit Abstand stärkste und interessanteste Charakter in diesem sehr gut gelungenen Mittelteil der Trilogie. Aber die anderen Figuren brauchten sich ebenfalls nicht zu verstecken. Auch sie waren wie schon anfangs gesagt exzellent herausgearbeitet.
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Krähenmädchen hatte ich nach dem langsamen Einstieg in seinen Bann gezogen, aber Narbenkind zog mich direkt in die Geschichte und faszinierte mich extrem mit den ausführlichen, gut recherchierten Ausflügen in des Menschen Psyche.
Ich würde auf jeden Fall empfehlen, vor dem Narbenkind das Krähenmädchen zu lesen oder zu hören, da dort sehr viele Hintergrundinformationen gegeben werden, mit denen man den zweiten Teil der Trilogie besser verstehen kann.
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Narbenkind hat die Bezeichnung Psychothriller mehr als verdient….wenn auch auf ganze Art und Weise als man es bisher aus diesem Genre kannte.
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Inhalt:
Jeanette Kihlbergs Ermittlungen in der Mordserie an Jungen in Stockholm werden unterbrochen, als ein ranghoher Geschäftsmann auf bestialische Weise getötet wird. Man geht von einem Racheakt aus – doch Rache wofür? Psychologin Sofia Zetterlund soll ein Täterprofil erstellen, aber dann geschehen weitere Morde. Die Opfer haben eines gemeinsam: Sie alle waren vor fünfundzwanzig Jahren auf einem Internat in Sigtuna. Zusammen mit Victoria Bergman, die noch immer unauffindbar scheint. Während die Ermittlungen nach Dänemark führen, hat Sofia immer häufiger Bewusstseinsaussetzer …
Quelle: Der Hörverlag
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Informationen zum Hörbuch:
Das Audiobook zu Narbenkind von Erik Axl Sund ist im September 2014 unter der ISBN-Nr. 978-3-8445-1532-9 bei Der Hörverlag erschienen. Das Hörbuch umfasst zwei MP3-CDs mit einer Gesamtlaufzeit von 14 Std.19 Min.
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Der Sprecher:
Narbenkind wird gelesen von Thomas M. Meinhardt. Er fing mich schon nach wenigen Sätzen mit seiner Stimme ein, zog mich in die Geschichte und ließ mich nur unwillig den MP3-Player ausstellen, wenn ich mit dem Hören aufhören musste. Herr Meinhardt liest sehr lebendig und passend zu den jeweiligen Stimmungen und Charakteren des Buches, was mir sehr gut gefiel!
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Der Schauspieler Thomas M. Meinhardt ist gleichermaßen aus Fernseh- und Hörbuchproduktionen bekannt. Er hat bereits in mehreren TV-Serien wie beispielsweise „Tatort“, „SOKO 5113“ oder „Polizeiruf 110“ mitgewirkt. Er spielte an zahlreichen, renommierten Bühnen – vornehmlich am Münchner Metropoltheater in Erfolgsstücken wie „Tannöd“ und „Unter dem Milchwald“. Für den Hörverlag las er u. a. „Jimi Hendrix – Starting at Zero“, „Helmut Schmidt – Ein letzter Besuch“, einen Teil aus „Die Schuld einer Mutter“ von Paula Daly und Elisabeth Herrmanns „Versunkene Gräber“.
Quelle: Randomhouse

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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