*+* Ava Dellaira: „Love Letters To The Dead“ *+*

13-2Liebe Lesefreunde,
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was ein Buch! Welch Sammelsurium an Briefen, welch Durcheinander an Gedanken und Erinnerungen….
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Fairerweise muss ich sagen, dass ich zu Beginn bezüglich der jugendlichen Charaktere einen kleinen Kulturschock erlebt habe. Die Eigenarten, die Handlungsweisen, der sorglose Umgang mit gefährlichen Dingen, das Begehen von Straftaten ohne mit der Wimper zu zucken….du liebe Güte….ich wähnte mich im völlig falschen Film und fühlte mich in diesem Buch absolut fehl am Platz. Abbrechen wollte ich es aber nicht, denn irgendetwas hielt mich bei der Lesestange.
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Ich wollte wissen, warum die Jugendlichen so abgerissen waren, so verloren und
innerlich einsam. So strange wie ich sie zum großen Teil fand, so leid taten sie mir auch.
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Durch Laurels Briefe erhielt ich Einblicke in ihr Seelenheil, das zunächst überwiegend eher ein Seelenunheil war.
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Aber der Reihe nach:
Das Mädchen hat nach dem Tod ihrer vergötterten Schwester May die Schule gewechselt. Laurel wollte einen Tapetenwechsel, um nicht immer und überall an sie erinnert zu werden. Zudem erhoffte sie sich, unbekannt wie sie an der neuen Schule war, aus Mays Schatten heraustreten zu können. Denn die große Schwester war hübsch, cool, und aus Laurels Sicht einfach nur perfekt. Unbewusst versuchte sie, ihr nachzueifern.
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„Ich habe versucht, so mutig zu sein wie May, so strahlend und frei und magischen Sternenstaub versprühend wie sie, aber ich habe es nicht geschafft. Weil ich nicht so bin.“
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Wie falsch die Bilder waren, die sie durch ihre rosarote Schwesternbrille sah, begriff Laurel erst nach und nach….
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Daran war indirekt ihre neue Englischlehrerin schuld.
Denn eines Tages lautete die Hausaufgabe:
Schreibe einen Brief an eine verstorbene Persönlichkeit!
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Das war eine Aufgabe, die Laurel zunächst ziemlich blöd fand. Dennoch setzte sie sich mit dem Thema auseinander und einmal angefangen, konnte und wollte sie mit dem Briefe schreiben nicht mehr aufhören. Sie schrieb diversen Verstorbenen und vertraute ihre gesamten Gedanken und Gefühle solchen Größen wie Amy Winehouse, Kurt Cobain, Janis Joplin und vielen anderen an. Der gesamte emotionale Ballast, den Laurel seit Monaten mit sich herumgeschleppt hatte, brach sich nach und nach Bahn. Ebenso verarbeitete sie die Erlebnisse, die sie aktuell umtrieben.
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Laurel entwickelte sich – wie einige Charaktere mehr – im Laufe des Romans sehr stark. Nach und nach besiegten Selbstvertrauen und Mut die anfangs verspürte Unsicherheit.
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Sehr schade fand ich, wie schlecht die Eltern in diesem Briefroman wegkamen.
Sie hatten ihre Tochter May verloren. Das war sicher sehr bitter und ich glaube, es gibt nichts Schlimmeres als sein Kind zu verlieren. Aber wenn man noch ein Kind hat, das lebt, darf man nicht einfach versuchen, dem Schmerz davon zu laufen. Gerade dann braucht der Nachwuchs Liebe, Wärme und Sicherheit, die einen auffängt. Das hat Laurel leider nur eingeschränkt zu spüren bekommen. Sie war eher sich selbst überlassen, niemand bemerkte beispielsweise, wenn sie nachts heimlich das Haus verließ oder sich in ihren jungen Jahren betrank.
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„Wir haben unsere eigenen tektonischen Platten in uns, die ständig in Bewegung sind und sich immer wieder neu ausrichten, während wir uns langsam zu dem Menschen entwickeln, der wir sein werden.“

Zum Glück waren nicht alle Erwachsenen mit dem Erlebten überfordert. Es gab hier – wie auch in den Reihen der Jugendlichen – Lichtblicke, die Laurel halfen, den Weg zu sich selbst zu finden.
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Ebenso zögerlich ich zu Beginn in das Buch gekommen bin, bin ich zum Schluss hin durch die Seiten geflogen!
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Infos zum Buch:
„Love Letters to the Dead“ von Ava Dellaira ist im Februar 2015 unter der ISBN-Nr. 978-3-570-16314-6 im cbt Verlag erschienen. Der Jugendroman umfasst 413 Seiten und ist auch als Ebook und Audio-CD erhältlich. Der Verlag empfiehlt das Buch für Leser ab 14 Jahren.

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Inhalt:
Es beginnt mit einem Brief. Laurel soll für ihren Englischunterricht an eine verstorbene Persönlichkeit schreiben. Sie wählt Kurt Cobain, den Lieblingssänger ihrer Schwester May, die ebenfalls viel zu früh starb. Aus dem ersten Brief wird eine lange Unterhaltung mit toten Berühmtheiten wie Janis Joplin, Amy Winehouse und Heath Ledger. Denn die Toten verstehen Laurel besser als die Lebenden. Laurel erzählt ihnen von der neuen Schule, ihren neuen Freunden und Sky, ihrer großen Liebe. Doch erst, als sie die Wahrheit über sich und ihre Schwester May offenbart, findet sie den Weg zurück ins Leben und kann einen letzten Brief an May schreiben …
Quelle: Randomhouse

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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5 Antworten zu *+* Ava Dellaira: „Love Letters To The Dead“ *+*

  1. Ich freue mich, dass Du durchgehalten hast 🙂
    Vielleicht sollte ich einfach die Hörbuchversion versuchen, möglich das mich diese eher an sich binden kann 🙂
    LG Ela

  2. Pingback: *+* Wochenshow #13 *+* | Irve liest...

  3. Literatouristin schreibt:

    Hallo Irve,

    Ich habe deinen Blog gerade entdeckt und finde ihn wunderschön 😀
    „Love letters to the dead“ wollte ich mir schon einige Male kaufen … doch irgendwie komme ich nie dazu, weil mich die Rezensionen bis jetzt noch nicht so ganz überzugt haben. Doch deine Rezi hat mich wieder unsicher gemacht … ich weiß nicht, was ich tun soll XD

    L.G. Bianca

    • irveliest schreibt:

      Das ist manchmal gar nicht so einfach, wenn man zwischen „Soll ich oder soll ich nicht?“ hin- und hergerissen ist…
      Ich bin auch eher auf das Buch gestoßen worden und habe ja dann auch etwas Zeit gebraucht, um mit allem Drum und Dran warm zu werden…
      Falls du es liest, wünsche ich dir viel Spaß damit!
      Ich freue mich sehr, dass dir mein Blog gefällt 😀

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