*+* Jo Nesbo: „Der Sohn“ *+*

der Sohn-9783550080449_xlLiebe Lesefreunde,
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herzlich willkommen zur Rezension meines ersten Nesbo-Krimis.
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Schon lange wollte ich etwas von diesem Autor gelesen haben. Mit „Der Sohn“ habe ich dieses Ansinnen endlich in die Tat umgesetzt!
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Nun wollt ihr – vor allem die eingefleischten Nesbo-Fans unter euch – sicher wissen, wie mir diese Premiere gefallen hat.
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Kurzversion: Bis auf kleine Abstriche wirklich gut!
Aber ich kenne euch…..ihr wollt bestimmt auch die Langversion, oder?
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Zu Beginn des Buches war ich hin- und hergerissen. Einerseits war da der sich abzeichnende Fall mit seiner Lichtgestalt Sonny als Hauptfigur, die mich sofort fasziniert hatte. Die Stimmung, die Gesinnungen der anderen Charaktere, all das war sofort greifbar für mich.
Andererseits war da auch die für mich sehr gewöhnungsbedürftige Schreibe des Autors. Ich meine jetzt nicht die düstere Stimmung, denn diese passt sehr gut z
um Buch.
Ich hatte immer wieder kleine Probleme mit den teils kryptischen Andeutungen, der stellenweisen Knappheit, den manchmal schnellen, unbemerkten Szenenwechseln. Das Umschalten und Umsetzen des Gelesenen funktionierte bei mir nicht so schnell wie erforderlich, sodass ich manche Passagen doppelt las.
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„Der Sohn“ war für mich kein Krimi, durch den ich lesefliegen konnte. Er war zwar meist gut verständlich, aber der Autor hatte an einigen Stellen moralisc
he Fallstricke angebracht, die mich emotional straucheln ließen… Und dann grübelte ich immer wieder ein Stück, bevor ich weiterlesen mochte.
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„Ungehöriges Verhalten muss unbedingt bestraft werden.“ (S. 293)
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„Wir sind nur menschlich, wenn wir sündigen. Aber wir sind göttlich, wenn wir vergeben.“ (S. 509)
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sind zweier meiner Lieblingszitate dieses Buches. Und mögen als Beispiel für die untypische „Krimisprache“ dienen, mit der mich Jo Nesbo durch ein plakatives Oslo trug.
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Wie auch immer, mit diesem, meinem ersten Nesbo, habe ich einen Einblick in eine
ganz andere Krimiwelt der Literatur bekommen. Einen nachhaltigen Eindruck, denn mit dem Zuklappen des Buches konnte ich nicht gleich komplett umschalten auf „neues Buch“. Die Charaktere spukten mir noch im Kopf herum, ihre Taten, ihre Motive und Motivation. Und auch das Thema Moral – was ist Gut, was ist Böse – hat immer mal wieder einen Gedankenanstoß bekommen….
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Zwei Handlungsstränge bilden die beiden roten Fäden, die sich durch das Buch schlängeln, um sich später zu einem unvorhergesehen, aber schlüssigen Endseil zu verzwirbeln.
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Ich fragte mich schon früh, welche Motivation den Autor mehr getragen hatte.
Die, einen Krimi zu schreiben, bei dem die immer wieder auftauchenden Fragen zu Moral und Ethik als Beifang agieren. Oder wollte er dieses Thema bewusst in den Mittelpunkt setzen und hat darum herum einen sehr interessanten Kriminalfall konstruiert?
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Wie auch immer, beides ist ihm gelungen.
Sowohl der kriminalistische Inhalt wusste mich zu fesseln und zu begeistern, aber auch den gegebenen Denkanstößen bin ich gerne nachgegangen.
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Sonny, der seit 12 Jahren sitzt, ist ein ganz besonderer Häftling. Er fügt sich perfekt in das Gefängnisleben ein…bis er eines Tages aus seinem Leben der letzten Jahre ausbricht, mit einem raffinierten Coup aus dem Hochsicherheitsgefängnis entkommt….und das
Unheil nimmt seinen Lauf!
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Vor vielen Jahren starb sein Vater und Sonny arbeitet sein Leben ab diesem besagten Zeitpunkt auf….mit schrecklichen Folgen für einige Protagonisten.
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Obwohl ich wusste, wer der Täter ist und warum all diese Schreckenstaten begangen wurden, las ich gerne weiter. Meine
moralisch wohl verwerfliche Sympathie zu Sonny trug mich durch den Kriminalroman. Ich wusste, er ist ein Mörder und trotzdem fieberte ich mit ihm, hoffte, er würde durchkommen und fliehen können…. Verrückt, oder?
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Und es gab ja noch den zweiten Handlungsstrang. Interessanterweise waren der Vater dieses Mannes und Simon Kefas, der ermittelnde Kommissar, früher einmal beste Freunde. Als Sonnys Vater, Ab, gestorben war, fand diese Freundschaft ein jähes Ende. Dass die Sachverhalte nicht immer so einfach sind wie man denkt, kommt im Laufe des Buches immer deutlicher zur Geltung. Diese
Aufdröselung der Vergangenheit, die üblen Verstrickungen und Machenschaften, die allem einen bis dato unsichtbaren Zusammenhang gaben und nach und nach deutlich wurden, sie waren für mich der wahre Spannungsträger.
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Zur
Auflockerung der manchmal sehr unschönen Szenen, die begleitet wurden von einer düsteren, bedrückenden Stimmung, flocht der Autor immer wieder einige Passagen aus dem Privatleben einiger Charaktere ein. Die Entwicklungen, die diese persönlichen Geschehnisse nahmen, sind ebenfalls in die sehr gelungene Endphase mit eingeflochten und machen den Krimi zu einer runden Sache.
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„Der Sohn“ war mein erster Nesbo, aber sicher nicht mein letzter 🙂
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Infos zum Buch:
„Der Sohn“ von Jo Nesbo ist im November 2014 unter der ISBN-Nr.
13 9783550080449 in den Ullsteinbuchverlagen erschienen. Der Kriminalroman umfasst 528 Seiten und ist auch als Ebook erhältlich.
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Inhalt:
Sonny ist auf der Flucht. Sonny ist ein vorbildlicher Gefangener. Er lauscht den Geständnissen seiner Mitgefangenen und vergibt ihnen ihre Sünden. Er wurde sein ganzes Leben lang belogen. Doch dann ändert ein Geständnis alles. Ein Mitgefangener weiß etwas über Sonnys in Ungnade gefallenen Vater. Sonny will Rache. Er muss aus dem Gefängnis fliehen, und die Verantwortlichen sollen für ihre Verbrechen zahlen. Wie hoch der Preis auch sein mag. Jo Nesbøs Krimiserie um Kommissar Harry Hole ist weltweit ein Hit. Auch mit Der Sohn stieg er in Norwegen, England, Dänemark und den Vereinigten Staaten ganz oben in den Bestsellerlisten ein. Sein neuer großer Kriminalroman ist ein elektrisierendes Drama um Geheimnis und Sünde, Verrat und Rache, Gerechtigkeit und Erlösung.
Quelle: Ullsteinbuchverlage

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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2 Antworten zu *+* Jo Nesbo: „Der Sohn“ *+*

  1. Simone Richter schreibt:

    Ich mochte den Film „Headhunter“ nach dem Roman von Jo Nesbø. Ungelesen hierzuliegen habe ich noch „Rotkehlchen“ (ein Geschenk von meiner Ma) und „Schneemann“ (Welttag des Buches Exemplar). Wusstest Du, dass er auch Kinderbücher geschrieben hat!?

  2. Pingback: *+* Wochenshow #6 *+* | Irve liest...

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