*+* A.J.Betts: „Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe“ *+*

LW43-2Liebe Lesefreunde,
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Geht euch das manchmal auch so?
Ihr sehr ein Cover und MÜSST dieses Buch einfach haben, ohne auch nur den Hauch einer Ahnung davon zu haben, worum es eigentlich im Roman geht?
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Bei „Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe“ hatte es mich derart gepackt.
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Dieses Cover, so zart, so fein, so zerbrechlich. Ein einzelner Zweig Vergissmeinnicht wird mit einem rosa gemusterten Pflaster festgeklebt….
Aber woran und warum? Die ersten Gedanken gingen bereits in meinem Kopf spazieren und es wird euch nicht wundern, dass ich dieses Buch dann natürlich gelesen habe. Ich wurde nicht enttäuscht, im Gegenteil.
Im Nachhinein hat es mich dann noch sehr beeindruckt, wie perfekt dieses äußere Layout des Romans dessen Titel so perfekt zusammengefasst hat!
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Beim Lesen habe ich gelacht, gelitten, geschaudert, den Atem angehalten, Wut gefühlt, Fassungslosigkeit, aber auch Zufriedenheit, mich gefreut, dem Schicksal, Tod, Glück und Freude gleichermaßen in Gesicht geschaut und vor allem habe ich GEWEINT.
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Nein, ich war nicht am Boden zerstört oder niedergeschlagen oder außer mir vor Wut. Mehr war es bei mir die Freude über die Entwicklung, die das Buch nahm. Es waren „positive“ Tränen.
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Das hatte nichts damit zu tun, wie sich der Gesundheitszustand der beiden Hauptcharaktere entwickelte…diesbezüglich werdet ihr von mir gar nichts erfahren. Denn das war mir nicht das Wichtigste in diesem Roman.
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Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe“ ist eine ganz starke Geschichte über die beiden krebskranken Jugendlichen Mia und Zac.
Mia hat auf den ersten Blick das leichtere Los erwischt, kann sich aber überhaupt nicht damit abfinden. Mia verliert im Kampf gegen den Krebs einen Fuß, hat dafür aber mehr als gute Genesungschancen. Sie hadert dennoch dermaßen mit ihrem Schicksal, dass ich sie bis zu einem bestimmten Punkt im Buch am am liebsten immer wieder genommen und geschüttelt hätte und ihr ins Gesicht geschrien:
Hast du überhaupt verstanden, worum es hier eigentlich geht?
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Wenn ihr vor der Entscheidung stündet: 98% Überlebenschance mit einem Bein oder 55% Überlebenschance mit zwei Beinen, wie würdet ihr euch entscheiden?
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Ich habe das Gefühl, als würde ich durch ein Goldfischglas zusehen. Ist das Leben so für sie? War es früher auch so für mich? Bin ich der Fisch oder sie? Im Kamin stieben Funken auf. Wenn ein Leben doch nur genauso leicht prasseln und verschwinden könnte. Wenn ich doch nur zu Rauch und davon schweben könnte.“ (Mia)
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Für Mia, die wie so viele Jugendliche geleitet ist von einem übernatürlichen Schönheitsideal und Moralvorstellungen, die ganz nahe der Oberflächlichkeit stehen, ist der Verlust ihres Fußes zunächst gleichbedeutend mit dem Verlust ihres Lebens. Sie verfolgt eine ganze Weile die dumme Theorie, dass mehr Schein als Sein funktionieren muss…..

Ich bin nicht freiwillig in diesen Krieg gezogen. Die Leukämie, diese blöde Sau, hat mich zwangsrekrutiert.“ (Zac)
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Zum Glück ist da Zac, der selbst an Blutkrebs leidet. Er läuft zwar nicht Gefahr, eines seiner Gliedmaßen zu verlieren, dafür stehen seine Überlebenschancen weitaus schlechter als Mias.
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Dennoch tut er alles, um sie aus ihrem Loch der Verzweiflung zurück mitten in die Lebensfreude zu katapultieren.
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Zu Beginn ist es eher Hassliebe, was die beiden Jugendlichen verbindet, aber – wie so oft – das Schicksal schweißt sie zusammen und die Dinge entwickeln eine gewisse Eigendynamik
Egal, was passiert, die beiden scheinen wie mit einem unsichtbaren Gummiband verbunden zu sein.
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Zieht das Schicksal an der Seite des einen, spürt der andere einen mentalen Ruck und ist da, einfach da…in welcher Form auch immer. .

Zacs Entscheidungen gründen sich auf Logik und Mathematik, während meine nur aus Gefühlen, Impulsen und ich will, ich will entstehen.“ (Mia)

Hängenlassen gilt nicht!
Das ist es, was mich so sehr beeindruckt hat. Wie die beiden die Hilfsbedürftigkeit erspüren, wie sie sich helfen, füreinander da sind und ich denke:
Braucht es wirklich eine solch schlimme Krankheit, um aufzuzeigen und verstehen zu können, was wichtig im Leben ist?
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Leben, das ist das perfekte Stichwort für diesen fantastischen Roman.
Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe“ ist für mich keine schmerzerfüllte Geschichte über das schlimme Schicksal zweier Menschen sondern eine Liebeserklärung an das Leben. An die Wertschätzung des Lebens, das Geraderücken der Prioritäten, die bei doch so vielen Menschen ganz verschoben sind!
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Dieser Roman hat es geschafft, mich zutiefst zu berühren. Er hat mich von Anfang bis Ende sehr bewegt. Aber er trieft nicht vor Schmalz, an keiner Stelle. Kitsch ist hier an keiner Stelle zu finden, auch keine Peinlichkeiten.
Die Autorin hat beim Schreiben sehr viel Fingerspitzengefühl bewiesen, hat ein Tabuthema salonfähig gemacht. So schlimm das Schicksal auch manchmal ist, mit ihrem Galgenhumor hat A.J. Betts dann meinen empfundenen Schmerz wieder in seine Schranken verwiesen und ich habe gelernt, dass das Leben weitergeht.
Nimm es mit Humor, auch wenn dir zum Heulen ist, das macht es einem selbst und den anderen leichter. Zac bedient sich über weite Strecken des Romans dieser Taktik..

Kann mein teigiges Gesicht vor Scham erröten? Habe ich genug rote Blutkörperchen für einen derartigen Luxus?“ (Zac)
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Geschrieben ist die Geschichte aus der Perspektive der beiden Jugendlichen.
Es gibt zwei Ich-Erzähler, die abwechselnd erzählen, was sie erleben, wie sie empfinden.
Dadurch überspringen ich den Zaun, der sonst den Zuschauer vom Geschehen trennt und komme emotional noch näher an Zac und Mia heran. Das hat mir sehr gut gefallen und mich stellenweise sehr aus der Fassung gebracht..

Lest das Buch, es ist einzigartig!
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„Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe“ von A.J.Betts ist unter der ISBN-Nr 978-3-596-85661-9 im KJB-Verlag (Fischer Verlage) erschienen. Es umfasst 336 Seiten und ist auch als eBook erhältlich.
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Inhalt:
LIEBE IST STÄRKER ALS JEDE STATISTIK
Zwei Ich-Erzähler zum Verlieben erzählen ihre Geschichte einer unwahrscheinlichen Liebe

Kopf an Kopf liegen Zac und Mia in ihren Krankenhausbetten, nur durch eine dünne Wand getrennt. Alter: 16. Diagnose: Krebs. Gefühlszustand: isoliert und allein. Und aus ersten Klopfzeichen erwächst eine Liebe, die unter normalen Umständen niemals möglich gewesen wäre … (Quelle: Fischerverlage)

 

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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8 Antworten zu *+* A.J.Betts: „Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe“ *+*

  1. Simone Richter schreibt:

    Bestimmt eine sehr schöne Geschichte… und das Cover ist auch wunderschön. Ein Buch, welches mir in der Buchhandlung auf jeden Fall auffällt.
    Ich bin kein Freund von Krankheitsgeschichten, aber wenn es eine Liebeserklärung an das Leben ist, dann gefällt es mir!

    • irveliest schreibt:

      Simone, ich wollte es eigentlich auch nicht lesen, aber dann habe ich von allen Seiten gehört, dass es alles andere als ein Krankheits-Jammerbuch ist….und bin nun froh, es gelesen zu haben.

  2. Pingback: *+* Advents2014Kalender – 22. Dezember *+* | Irve liest...

  3. Verena Julia schreibt:

    Hallo Heike,
    ich hab da mal eine Frage an dich oder eigentlich sind es mehrere 😀
    Warum hast du das mit dem verlorenen Fuß mit aufgenommen? Wusstest du das bereits vor dem Lesen?…für mich war das nämlich beim Lesen einer der ganz großen Aha-Momente, wo ich erfahren habe, dass sie den verloren hat. Quasi ein Schlüsselmoment…Denn danach sieht es ja im Krankenhaus, wo die beiden sich zuletzt sehen, nicht aus….also, dass sie den Fuß verliert.

    • Verena Julia schreibt:

      Liebe Grüße, Verena 🙂 ….(hat es das doch glatt verschluckt! – war ich wieder zu schnell)

    • irveliest schreibt:

      Liebe Verena,
      gewusst habe ich es nicht, aber ganz stark damit gerechnet, daher kam es für mich nicht so überraschend 😉
      Liebe Grüeß, Heike

      • Verena Julia schreibt:

        Aber doch zu Anfang noch nicht, oder? o.O Ich hatte immer noch das „Heile Welt“-Denken im Kopf….schon komisch…
        Machen wir noch unseren Plausch zum Buch? Sonst würde ich das Buch nämlich erstmal verleihen… 🙂

      • irveliest schreibt:

        Bei dem Thema hatte ich mit viel Schlimmerem gerechnet…
        Ja gerne, hattest du meine vorweihnachtlicche Anfrage gar nicht bekommen?
        Ich schreibe euch am WE alle nochmal an!
        LG

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