*+* Jessica Brockmole: „Eine Liebe über dem Meer“ *+*

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Liebe LeserInnen meiner Rezension,
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diese Buchbesprechung habe ich ausnahmsweise anders aufgebaut als sonst üblich. Ich finde, ein Buch in Briefform schreit fast schon nach einer Rezension in ebendieser Form! .

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Meine Gedanken zu „Eine Liebe über dem Meer“ von Jessica Brockmole (Diana Verlag) habe ich in einem fiktiven Briefwechsel mit der Autorin sortiert.
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Sehr geehrte Frau B,
wir kennen uns nicht, dennoch muss ich Ihnen unbedingt eine Mail schreiben. Warum, wollen Sie sicher wissen.

Nun ja, ein glücklicher Zufall spielte mir Ihren wundervollen Roman „Eine Liebe über dem Meer“ zu. Wie immer, wenn mich ein Buch so sehr begeistert, so sehr berührt hat, versuche ich, mit dem Autor/ der Autorin Kontakt aufzunehmen, um dieses Feedback an der richtigen Stelle loszuwerden. Sicher freut sich auch ein Schreiberling wie Sie über ein Lob. Ich zumindest täte es, jedoch verfüge ich weder über so gute Ideen noch über die Möglichkeit, diese schriftstellerisch so gekonnt umzusetzen wie es Ihnen mit diesem Roman gelungen ist. Man soll ja nicht immer von sich auf andere schließen, aber in diesem Fall liege ich bestimmt richtig! ..

In der Hoffnung auf weitere berührende Bücher aus Ihrer Feder verbleibe ich

mit freundlichem Gruß,

Irve liest

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Sehr geehrte Irve liest,

vielen herzlichen Dank für Ihre netten Zeilen. Das Lob des Lesers ist das Brot des Autors. Ich freue mich immer sehr über nette Rückmeldungen und Rezensionen, da haben Sie ganz richtig vermutet. Aber wären Sie bitte so nett, mir zu verraten, was genau Ihnen so gut an meinem Roman gefallen hat? Ein bisschen neugierig bin ich ja schon! .

Mit freundlichem Gruß, J B .

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Sehr geehrte Frau B,
natürlich dürfen Sie nachhaken, denn besonders aussagekräftig ist die Beschreibung „wundervoll und berührend“ ja wirklich nicht. Wenn ich nun schreibe: „Einfach alles!“ reicht Ihnen das wohl auch nicht..

Dann werde ich einmal weiter ausholen. Zunächst einmal hat es mir einen gehörigen Respekt abgetrotzt, dass es möglich ist, einen kompletten Roman in Briefform umzusetzen. Das war zwar wahrscheinlich nicht das erste Mal, dass dies passiert ist, aber das erste Mal, dass ich ein solches Buch gelesen habe. Die Tatsache, dass nicht nur ein Briefwechsel dokumentiert wird, sondern derer zwei (die zusätzlichen Briefe lasse ich jetzt mal außen vor), die zu verschiedenen Zeiten stattgefunden haben, hat dann für mich für das ganz besondere Etwas gesorgt.

Als I-Tüpfelchen spielten diese beiden Erzählstränge nicht irgendwann sondern zu den Zeiten der beiden Weltkriege, die dem Leben der Protagonisten noch weitere Facetten hinzufügten. . So verflechten Sie ganz geschickt die Liebesgeschichten der verschiedenen Zeitstränge mit den entsprechenden schrecklichen Kriegszeiten. Beide Themen werden gebührend behandelt, aber nicht überstrapaziert.

Da haben Sie wirklich ein glückliches Händchen bewiesen! Ich habe Ihr Buch bereits weiterempfohlen und werde es auch weiterhin tun! .

Herzliche Grüße,
Irve liest .

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Liebe Irve liest,
ich bin erfreut, dass Ihnen meine stilistische Umsetzung dieses Themas so zusagt. Gefällt Ihnen denn vielleicht auch etwas nicht so gut!
Viele Grüße,
J B

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Liebe Frau B,
das Einzige, was ich nicht so gut fand, war die Tatsache, dass Elspeth, Ihre Hauptprotagonistin des früheren Erzählstranges, David ein kleines, aber entscheidendes Detail aus Ihrem Leben vorenthält. Ich kann bzw. möchte nicht näher darauf eingehen, denn sonst wissen die bisherigen Nichtkenner und potentiellen späteren Leser Ihres, ich meine meines, Herzens-Buches vielleicht ein klein wenig zu viel, Sie verstehen?

Nun ja, rein moralisch gesehen hat mir dieser eine Punkt nicht so zugesagt. Jedoch verstehe ich, dass diese Konstellation genauso sein muss, um den einen oder anderen Schattenbereich des Krieges ins rechte Licht zu rücken. Nicht nur die sofort offensichtlichen Dinge und Folgen eines Krieges sind schrecklich, die sich ergebenden individuellen Begleiterscheinungen eben nicht minder furchtbar. Dies machen Sie sehr gekonnt klar und ich finde das sehr wichtig. Krieg ist nicht nur allgemein, Krieg ist auch individuell. Manchmal sogar sehr. .

Ansonsten, nein, ansonsten sehe ich nicht den kleinsten weiteren Kritikpunkt! .

Herzliche Grüße,
Irve
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Liebe Irve,
ja, Kriege sind schrecklich, immer, das sehe ich genauso.

Manchmal verwenden Sie vielleicht Äußerungsformen! Ein wenig hochgestochen an einigen Stellen, finden Sie nicht auch? Vielleicht sollten Sie es doch mal mit dem Schreiben versuchen! .

Herzlichst, J B
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Liebe J,
nein, nein, das Schreiben überlasse ich lieber anderen, Ihnen zum Beispiel!

Wo Sie gerade die Äußerungsformen erwähnen: Ihr Schreibstil gefällt mir sehr, wirklich! Besonders witzig fand ich schon zu Beginn des Romans die ersten Briefwechsel zwischen der Autorin und Ihrem Fan….Die beiden kannten sich rein gar nicht, und dennoch herrscht gleich so ein vertrauter Ton…Rau aber herzlich, ungeschminkt und entwaffnend offen! Kein Wunder, dass diese Verbindung über die reine Brieffreundschaft hinaus gehen musste. Diese Tiefe der Worte, dieses stellenweise Seelengleichheit der beiden Hauptprotagonisten, dieses blinde Verstehen…..Einfach herrlich zu Herzen gehend.

Die Briefwechsel sind so wunderschön, zart, gewürzt mit vielen poetischen Passagen und viele Boxen meiner Kleenex waren dann auch nach dem Beenden der Erzählung leer. Nach gut ¾ des Buches standen mir fast ständig die Tränen in den Augen, bzw. schafften sie es nicht, der Schwerkraft zu trotzen. Auch der Briefwechsel des zweiten Paares im zeitlich späteren Erzählstrang gefiel mir sehr. Die Begleitumstände waren zwar unterm Strich etwas besser, aber auch hier wird das Paar massiv vom Krieg ausgebremst und wirft seine großen und kleinen Schatten auf das Glück und die Zukunft der beiden Protagonisten.

Das Ende, achja, damit hatten Sie mich dann so richtig! Viele zuvor erwähnte Kleinigkeiten ergaben erst jetzt einen Sinn, der Kreis schloss sich und ich schloss das Buch mit einem Hauch von Glückseligkeit auf den Lippen.

Nochmals ganz herzlichen Dank für diese berührenden, tiefen Stunden des Lesens!

Hochachtungsvoll,
Irve liest

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Liebe Irve,
ich danke Ihnen erneut für Ihre netten Worte. Na, mein Roman hat es Ihnen ja wirklich angetan!

Sie erwähnen da an einer Stelle die „poetischen Passagen“, haben Sie vielleicht ein Beispiel parat? Einen so detaillierten Briefwechsel mit einem Freund meines Buches erlebe ich nicht alle Tage, daher erlaube ich es mir, an dieser Stelle gezielt nachzufragen! .

Lieben Dank,
J

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Liebe J,
aber natürlich, sehr gerne sogar! Bei meinen so genannten „Sternstundenbüchern“, zu denen Ihres ganz sicher zählt, mache ich mir immer viele Notizen und markiere mir die ergreifendsten, für mich tiefsten, schönsten, skurrilsten, wortwitzigsten Stellen.

Hier nennen ich Ihnen einige meiner Zitat-Highlights:
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„Wir haben die Seele des anderen in ihrer ganzen Länge und Tiefe ausgemessen.“

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 „Ich sammelte jedes Wort wie eine Perle und reihte sie auf für meine einsamen Nächte daheim auf Skye.“.

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„Du wirst nie erfahren, ob du im Leben den richtigen Weg eingeschlagen hast, wenn du nicht den Weg kennst, der dich dorthin geführt hat.“.

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„Es sind nicht meine Kinder, aber ich fühle mich trotzdem für sie verantwortlich. Immerhin forme auch ich ihren jugendlichen Verstand!“

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.„Ich habe so lange darauf verzichtet, dass ich mir einen Vorrat anlegen wollte, Erinnerungen, die ich hervorholen und genießen kann, wenn ich sie brauche.“
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„Nachdenken ist gut. Es unterscheidet Menschen von Küchenschaben.“
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Mehr werde ich von Ihrem Roman nicht preisgeben, sollen sich die Leser unserer Briefwechsels – sollte es denn welche geben – doch selbst ihr Buch kaufen und lesen, nicht wahr? 

Herzlichst Irve .

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Liebe Irve,
vielen Dank für die Mühe, die Sie sich mit dem Heraussuchen der Zitate gemacht haben! Das war sehr nett von Ihnen
Ich freue mich noch immer wie sehr Ihnen mein Roman gefallen hat!
Für die Zukunft wünsche ich Ihnen alles erdenklich Gute!

Sonnige Grüße,
Ihre J

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Liebe J,
das tut er wirklich, immer noch! Vielleicht wird es mein persönlicher Roman des Jahres, wer weiß?
Unter Umständen fühle ich mich noch zusätzlich zur guten Umsetzung dieser Schicksalsverstrickungen so zu Ihrem Buch hingezogen, weil ich einerseits die Ostsee – und das Meer überhaupt – sehr liebe….und weil ich auch durch eine Brieffreundschaft zur Liebe meines Lebens gefunden habe. So etwas gibt es nicht nur in Herzschmerz-Romanen.
Das hat mich ja auch so fasziniert!

Sie haben es geschafft, eine romantische, stellenweise sehr poetische Erzählung zu verfassen, die niemals kitschig wird. Lebendig, nah, real…..Toll! .

Ihnen auch nur die besten Wünsche für Ihre Zukunft!
Viele liebe Grüße,
Irve .

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Liebe Irve, .
Ihre Worte machen froh und wer weiß, vielleicht küsst mich bald wieder die Muse und es wird ein neues Buch von mir geben.
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Bis dahin alles Gute,
J

Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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11 Antworten zu *+* Jessica Brockmole: „Eine Liebe über dem Meer“ *+*

  1. ClauDia schreibt:

    WOW!!! ich hoffe, die Autorin wird das lesen, was für eine schöne Liebeserklärung, Irve ♥ das Lesen hat Spaß gemacht, mehr als mir das Lesen des Buches Spaß gemacht hat…
    Danke für diese außergewöhnlich schöne Rezi
    Liebe Grüße
    ClauDia

    • irveliest schreibt:

      Claudia,
      lieben Dank für deine Rückmeldung :-)
      War mal ein Versuch, ich hoffe, dass nicht nur du so aufgeschlossen gegenüber dieser Rezi-Umsetzung bist.
      Allerdings ärgert mich gerade WordPress, denn ich hatte das alles etwas hübscher formatiert und werde gleich mal reparieren….
      Liebe Grüße,
      Heike

    • irveliest schreibt:

      Claudia, die Autorin hat meine Rezi gelesen und findet sie „wunderbar“. Ich darf sie sogar interviewen. Irre, nicht?

  2. Tinkers schreibt:

    CHAPEAU!!!! Von wegen „verfüge ich weder über so gute Ideen noch über die Möglichkeit, diese schriftstellerisch so gekonnt umzusetzen“ Ich finde Deine Idee grandios, ich finde die Umsetzung genial und ich bin besonders stolz darauf, dass das alles durch mich seinen Anfang fand :)

    Nun liegt die Messlatte aber extrem hoch und ich werde sie mit meiner Rezension nicht erreichen…

    Dennoch wünsche ich mir, dass Du diese Rezension an den Verlag schickst, denn die werden vor Begeisterung jubeln!!! Schick es bitte an katharina.wank@randomhouse.de, denn sie hat mir die Bücher zur Verfügung gestellt! :)

    • irveliest schreibt:

      Liebe Tinkers, dss werde ich sehr gerne tun!
      Das Schreiben der Rezi hat mir einen Mordsspaß bereitet ;-)
      Danke für das Buch und die Leserunde *knuddel*
      Ciao Irve

  3. AstroLibrium schreibt:

    Das Wunder eines Buches wird durch den Zauber einer Rezension zu einem literarischen Zauberspruch… Ich habe lange in „Letters from Skye“ gelebt und viel dazu geschrieben… allerdings handschriftlich und die Emotion des Romans in eigene Briefe gebannt, um daraus eine Rezension entstehen zu lassen.

    Dein Perspektivwechsel ist mehr als gelungen und verführt hoffentlich zum Lesen. Meinen erhobenen Daumen hast du… Ein Zauberspruch ist herausgekommen.

    Arndt

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  5. Julia schreibt:

    Liebe Irve,

    Wow, einfach nur wow! Was für eine tolle Idee und eine grandiose Umsetzung noch dazu! Eine wundervolle Rezi, in die man richtig schön tief eintauchen kann! Damit hast du mir das späte Frühstück mehr als versüßt und mich wirklich neugierig auf das Buch gemacht :-)

    Ein ganz lieber Gruß,
    Julia

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