*+* Simon van Booy: „Die Illusion des Getrenntseins“ *+*

Die-Illusion-des-Getrenntseins-9783458175926_xl*+* Wir hängen mehr zusammen als uns bewusst ist *+*
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Über das Buch:

Ein hinreißendes Liebeslied an das Leben
Eine kleine Bäckerei in Paris, mitten in den Wirren des Zweiten Weltkriegs. Ein Soldat, dem in einem Akt der Güte das Leben geschenkt wird und der damit das Richtige tut. Eine mutige junge Frau, die offene Arme hat für ein Neugeborenes ohne Namen. Und ein Autor, der die Geschichte dieser Menschen in einer wunderbar zarten, eleganten Prosa erzählt – und dabei die unglaubliche Wucht menschlichen Schicksals entfaltet.
Als Martin schon fast alt genug für die Schule ist, erzählen ihm seine Eltern, dass ihnen vor einigen Jahren, mitten in den Kriegswirren, ein Fremder ein Baby auf den Arm gedrückt hat: ihn selbst. Er braucht Jahre, um seine Herkunft zu begreifen – und er braucht sein ganzes Leben, um dem Mann zu begegnen, der ihn einst gerettet hat. Und auch dann weiß er nicht, wer da vor ihm steht.
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Simon van Booy erzählt davon, wie unsere Leben untrennbar miteinander verbunden sind. Davon, dass die Welt nur scheinbar ein (Quelle: Suhrkamp/ Insel)
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Das Cover:
Es unterstreicht die Einzigartigkeit der Sichtweise des Buches auf das Leben. Aber nicht nur das Motiv an sich nimmt Bezug zum Buch sondern auch die Szene, die gezeigt wird. Es ist eine der wichtigen Zufälligkeiten, die für mich einer der Knotenpunkte des Romans ist.
Aus der Froschperspektive sieht man einen Mann, der sich mit einem Fallschirm aus einem Kriegsflugzeug retten konnte und nun mit scheinbarer Leichtigkeit zurück ins Leben gleitet.

.Meine Meinung:
„Die Illusion des Getrenntseins“ ist Martins Geschichte, aber eigentlich auch wieder nicht….zumindest nicht nur…
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Martin verbringt seine letzten Jahre im Berufsleben als Altenpfleger. Aber es mussten so viele Dinge mit kleiner und auch großer Wirkung passieren, damit er dort ankommen konnte, wo er letzten Endes steht.
Wer seine Eltern sind, weiß er nicht, auch wer ihn gerettet hat, wird er nie erfahren. Martin bleibt unwissender als der Leser. Dieser jedoch erfährt die komplette Verkettung von Zufällen……zufälligen Zufällen, launenhaften Zufällen, erinnerungsgesteuerten Zufällen und vielem mehr.
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Dass vieles im Leben ineinander übergreift, ist wohl jedem klar. Auch dass wir oft nicht so autark sind wie wir es manchmal glauben.
Simon van Booy jedoch zeigt auf, wie filigran unser aller Leben wirklich gezeichnet ist.
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Am Beispiel von Martin mag man denken, dass er als Baby großes Glück hatte, weil er gerettet wurde. Dem Autor reicht dies nicht. Er blickt hinter die Kulissen, gräbt tief, geht viele Schritte zurück um zu zeigen, warum dieser „Zufall“ der Rettung des Babys überhaupt stattfinden konnte. So viele Personen mussten zur rechten Zeit am rechten Ort sein und dann auch noch das Richtige tun!
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Dieser Grundgedanke zieht sich eigentlich durch das ganze Buch. Die eine Handlung bedingt eine andere, alles ist miteinander verzahnt, mit unsichtbaren, oft nicht spürbaren Fäden miteinander verknüpft.
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Der Autor hat sein Buch nicht als eine chronologische Erzählung aufgebaut, sondern er springt in Zeit und Raum und auch die Personen, denen der entsprechende Abschnitt des Buches gewidmet ist, wechseln häufig – jedoch handelt es sich nur um Personen, die direkt oder indirekt mit dem Schicksal des Geretteten zu tun haben.

Schon zu Beginn des Romans machte ich mir die Notiz, dass jedes Tun so viel zu bedingen vermag. Macht A dies nicht, kann B jene Auswirkung nicht spüren.
Denn dieses miteinander Verknüpftsein betrifft alle Menschen gleichermaßen, man bräuchte eigentlich auch die Protagonisten nicht mit Namen versehen, denn dieses Phänomen:
„Die Schicksale sind mehr miteinander verwoben als man zu glauben scheint“ ist allgemein gültig und nicht nur für bestimmte Menschen.
Als dann der Autor selbst ab einem gewissen Punkt begann, einen seiner Protagonisten als „A“ zu bezeichnen, spürte ich, im Herz des Buches angekommen zu sein und seinen Kern erfasst zu haben.

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Die Lebenswege kreuzen sich wie Fäden. Erinnerungen und Zufälligkeiten formen die Menschen. Die Zentrifugalkraft der Wechselwirkungen entfaltet sich und man spürt es kaum! Auch dieses Buch entfaltet sich immer noch in mir. Es fühlt sich an als ob sich die Zip-Datei des Lebens in mir entpackt und mir viele seiner Geheimnis offenbart.
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Nicht nur die Form des Romans hat Simon van Booy sehr passend gewählt, auch die sprachliche Umsetzung ist äußert gelungen. Oft leicht wie eine Feder fließt der Text in mich hinein, dabei trägt er so viel an Inhalt und Wert.

.Ich bin so frei, an dieser Stelle eine meiner Lieblingspassagen des Buches zu zitieren:
„Ich werde die Kerzen, ihre Wärme, finden, und sie eine nach der anderen auspusten, so wie wir eines Tages von einem letzten Lufthauch besiegt werden, und dann ist nichts mehr – nichts außer dem Duft unseres Lebens in der Welt, wie an einer Hand, die einst Blumen hielt.“ (Seite 177)

Die Geschichte um Martin entspringt der schriftstellerischen Kreativität, jedoch hat es zwei der Protagonisten wirklich gegeben. Zwar unter einem anderen Namen -aber dennoch real – transportiert sich dieser Roman dadurch noch mehr in die Wirklichkeit als ohnehin schon!
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Mein Fazit:
Ganz großes Kino! Ein Buch, das in mir weiter wachsen wird! Das macht 5 Sterne für diesen wunderbaren Roman!

.Infos zum Buch:
„Die Illusion des Getrenntseins“ von Simon van Booy ist im April 2014 unter der ISBN-Nr
978-3-458-17592-6 im Insel-Verlag erschienen. Es umfasst 207 Seiten und ist auch als Hörbuch erhältlich.

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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4 Antworten zu *+* Simon van Booy: „Die Illusion des Getrenntseins“ *+*

  1. ClauDia schreibt:

    und schwups, WULI!!! :) danke für die Rezi!
    Liebste Grüße aus Berlin
    Claudia
    PS: du verlost das Buch nicht zufällig? *plinkerplinker* ♥

    • irveliest schreibt:

      Claudia, nein, das ist leider nicht geplant. Und da ich wohl auch nicht die Freude haben werde, diesen Autor interviewen zu dürfen….schnüff….. Aber man kann ja nicht alles haben im Leben. Ich hätte ja fast gesagt, es kommt auf die Irve2014hilft-Liste…aber dies ist ein Buch mit Bleiberecht :-D

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