*+* Irve fragt… Elke Becker *+*

elke beckerLebenslauf von Elke Becker


Geboren wurde ich im schwäbischen Ulm. Dort wuchs ich mit zwei Geschwistern auf. Ich bin also das, was man ein „Sandwich-Kind“ nennt. Die Mittlere.
Reiselustig war ich schon immer, und so schnürte ich mit 18 Jahren meinen Rucksack und zog das erste Mal im Leben wochenlang durch Süd-Amerika. Ab da waren diese Reisen mein jährliches Highlight und meiner Mutter Alptraum. Neben meinem Sekretärinnen-Job ging ich kellnern, weil der ganze Spaß auch finanziert werden musste. Das südamerikanische Leben faszinierte mich jedoch so, dass ich mit 30 meinen Job als Vorstandssekretärin hinschmiss, um ein Jahr nach Venezuela zu gehen und dort endlich Spanisch zu studieren. Meine Eltern waren entsetzt, meine Freunde überrascht und ich endlich happy und frei. In Venezuela begann ich regelmäßig zu schreiben. eb11Es entstanden zwei Romane (nicht vorzeigbar). Nach der Zeit in Venezuela war mir Deutschland noch fremder geworden. Also packten meine Schwester – wir haben die gleichen Reise-Gene mit auf den Weg bekommen – und ich unsere 7 Sachen – eine davon war unsere schwarze Katze – und machten uns in der Dominikanischen Republik mit einer Sprachschule selbständig. Die Schule lief super – hatten auch lange geplant – doch stieg die Kriminalität sprunghaft an, was unsere Freiheit doch sehr einschränkte. Schweren Herzens schlossen wir die Schule nach knapp 2 Jahren und landeten mit neuen Erfahrungen, einem weiteren Romanmanuskript (ebenfalls nicht vorzeigbar) und unserer Katze im Gepäck wieder im Schwabenland. Krasser konnten die Unterschiede nicht sein. So landeten wir letztlich alle 3 in Spanien. Und das auch noch ausgerechnet auf Mallorca, wo ich nie hinwollte. Hier fühle ich mich seit 6 Jahren heimisch und bin endlich angekommen. Die Insel ist einmalig schön – wenn man den Ballermann auslässt – und ich habe endlich das perfekte Umfeld für mich gefunden. Südländisches Lebensgefühl gemischt mit spanischer Sprache und Musik. Sonne, Meer und Strand und arbeiten muss man schließlich überall! Das Schreiben habe ich immer beibehalten. Die entstandenen Romane mit südamerikanischem Flair liegen teilweise noch in der Schublade und warten noch auf Überarbeitung. Mallorca inspiriert mich nicht weniger und unter meinem echten Namen erscheint im August 2011 „Das Mallorca Kartell“ ein Thriller. Da Thriller und Jugendfantasy thematisch zu weit auseinanderliegen, entschied ich mich für ein Pseudonym. Wie kam ich dazu eine Fantasy-Reihe zu schreiben? Eigentlich durch meine Nichten, die keine Vampirromane mehr sehen konnten; und meine schwarze Katze, die zwischenzeitlich ihren Vielfliegerpass an den Katzenkorb gehängt hat, weil sie nun spanisches Asyl erhalten hat und in ihrem Alter auch keine Lust mehr auf Flugzeuge hat. Unter dem Namen J. J. Bidell veröffentliche ich die Fantasy-Trilogie „Im Schatten des Mondlichts“ ist ein Fantasy-Liebesroman um die Gestaltwandlerin Naomi Roberts. (Quelle: elke.becker.com)

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Liebe Elke

vielen Dank, dass du dich zu einem Interview für meinen Blog bereit erklärt hast! Nachdem wir durch deinen Lebenslauf schon recht viel über dich gelesen haben, kann ich mir die Bitte, dich kurz vorzustellen, fast schon knicken und direkt zu meinen Fragen kommen:

Erinnerst du dich an das erste Buch, das du gelesen hast?eb8
Das erste Buch, an das ich mich bewusst erinnere, war „Die kleine Hexe“, von Ottfried Preussler.

Hast du als Kind gerne gelesen bzw. liest du gerne?
Ich habe als Kind schon sehr gerne und viel gelesen. Das hat sich bis heute nicht geändert. Als ich in Venezuela war, gab es dort keine deutschen Bücher. Ich habe mir wenige Bücher von Mitstudenten ausleihen können und sogar in meiner Verzweiflung ein Buch von Stephen Hawking gelesen. Wenn ich auch nicht wirklich viel damit anfangen konnte, so habe ich doch das Buch zu Ende gelesen. An den Titel erinnere ich mich allerdings nicht mehr. Damals hätte ich mir schon die Erfindung des E-Books gewünscht.

Welches ist dein Lieblingsbuch – von dir und von einem anderen Autor/In?
Gute Frage. Es gibt so viele Bücher, die mich beeindruckt haben, dass ich kein wirkliches Lieblingsbuch habe. Auch bei meinen eigenen Romanen habe ich kein Lieblingsbuch, da ich alle liebe. Das wäre, wie wenn man eine Mutter fragt: Welches Kind liebst du am meisten? Eine Antwort ist unmöglich.

eb12Wann und warum fingst du an, selbst zu schreiben?
Ich begann in Venezuela zu schreiben. Es war eine Art Reisetagebuch, da ich niemanden bzw. sehr selten jemanden dort hatte, der Deutsch oder Englisch sprach. So war ich die erste Zeit meines Spanischstudiums doch recht einsam. Ohne Kommunikation geht eben nichts. Das klappt nur bei Kindern, was ich heute mehr denn je bewundere. Das Reisetagebuch mit meinen alltäglichen Kämpfen, kennen gelernten Menschen und alles, was mir dort passierte, schrieb ich auf einem PC, speicherte alles auf einer Diskette und ging in ein Internet-Café, um meine Familie und Freunde auf dem Laufenden zu halten. Klar, meine Eltern bekamen eine andere Version 😉

So merkte ich, dass mir Schreiben richtig Spaß macht und meine Freunde – ich habe liebe Freunde – meinten, ich sei begabt. Also machte ich mich ernsthaft daran, besuchte Kurse, denn meine ersten Geschichten hatten doch schwere Kinderkrankheiten, die es zu kurieren galt. Es folgte eine Drehbuchausbildung und ab da fühlte ich mich sicher genug, Geschichten zu erfinden, die vielleicht auch fremde Leser interessieren konnten. Und einmal Blut geleckt, hat mich das Schreiben nie wieder losgelassen.

Welches Buch oder welche Geschichte von dir wurde als erstes veröffentlicht?
Das war mein Krimi „Das Mallorca Kartell„. Es erschien in einem Kleinverlag, wobei ich die Zusammenarbeit nach knapp 2 Jahren beendete und die Rechte nun wieder bei mir liegen.

Welches ist dein bevorzugtes Genre und in welcher Kategorie wirst du vermutlich nie schreiben?Beach Party Flyer
Ich habe eigentlich kein bevorzugtes Schreibgenre. Ich schreibe Fantasy, Krimi und Chick-Lit, aber auch die Entwürfe von einigen Dramen liegen noch auf der Festplatte und warten auf Umsetzung. Bei mir kommt es auf die Geschichte an, nicht auf das Genre. Woran ich mich vermutlich nie wagen würde, sind historische Romane. Die verlangen einfach eine ganz andere Sprache um authentisch zu sein und das traue ich mir nicht zu. Auch wenn ich mir vorstellen kann, dass die Recherche zu so einer Geschichte unglaublichen Spaß machen muss, wenn sie auch eine lange Zeit in Anspruch nimmt.

Wo schreibst du am liebsten?
Im meinem Büro. Denn da habe ich keine Ablenkungen. Im Sommer aber auch auf der Terrasse, seitdem ich umgezogen bin und sehr ruhig wohne.

Wie kannst du am besten entspannen?
Beim Lesen. Aber auch beim Schwimmen. Wobei beim Schwimmen meine Gedanken oft zurück zu meinen Geschichten wandern.

eb6Wie betreibst du die Recherchen für deine Geschichten?
Wenn es sich einrichten lässt, direkt am Handlungsort. „Das Mallorca Kartell“ machte es mir leicht, da ich ja vor Ort wohne. Bei „Im Schatten des Mondlichts“ wählte ich nur Schauplätze, die ich selbst sehr gut kenne. Das ist der Vorteil ein Reisevogel zu sein. „Ticket ins Glück“ spielt in der Dominikanischen Republik, wo ich zwei Jahre lebte. Also kannte ich auch dort die Kultur, die Menschen und die landestypischen Eigenheiten. „Yoga ist auch keine Lösung“ spielt wieder auf Mallorca, aber auch in Berlin. Beides ist mir sehr vertraut.

Lässt du einfach nur die Gegend auf dich wirken und bekommst Ideen durch die Menschen, die du erlebst oder ist die Planung deiner Bücher wesentlich aufwendiger?
Es gibt Geschichten, die springen mich regelrecht an. Da reicht eine Situation. Während meines Thailandurlaubs im Januar gab es das. Innerhalb eines Tages entstand die komplette Geschichte zu einem Roman. Sieh dir die Fotos an, da ist es kein Wunder, wenn eine Geschichte plötzlich Formen annimmt.

Es gibt aber auch ein Fantasy-Projekt, was es mir sehr schwer macht. Ein Zeitreiseroman in Mexiko. Sicherlich, ich kenne die Kultur durch viele Reisen – meine Schwester lebte dort – aber trotzdem wühle ich mich immer noch durch Fachbücher über die Mayakultur, was gerade in dem Bereich, wo die Zeitreise hingehen soll, nicht gerade einfach ist, da sehr wenig erforscht ist. Selbst Professoren von unterschiedlichen Universitäten können da nicht wirklich viel weiterhelfen. Ein eb9mexikanischer Professor aus Mexico City schickte mir umfassendes Material, aber auch das ist voller Deutungen und beinhaltet wenig greifbares. Da sind meine Spanischkenntnisse natürlich Gold wert. Auch wenn nicht so viel bekannt ist, möchte ich das damalige Leben so real wie möglich darstellen. Meine ganze Pinnwand ist rappelvoll von Notizen, Fotos und Ideen. Mehr will ich noch nicht verraten.

Welche literarischen Zukunftspläne hast du?
Eine gerne gelesene Autorin zu werden und meine Leserschaft konstant zu erweitern. Das wäre wundervoll!

Es würde mich zum Beispiel sehr interessieren, ob deine Südamerika-Ideen ihren Weg aus der Schreibtisch-Schublade finden und wir sie in überarbeiteter Form zu lesen bekommen werden.
Einen habt ihr eigentlich schon bekommen, wenn auch in sehr abgewandelter Form. „Ticket ins Glück“ ist mein voll überarbeiteter Erstling. Es sind viele Personen nicht mehr erwähnt, dafür haben andere einen Auftritt bekommen.

Der zweite Roman ist auch eher eine Liebestragödie: Liebe, Vertrauen, Verlust, Vertrauensbruch. Und ja, ich hätte große Lust auch diesen Roman noch umzuarbeiten. Er hätte es verdient, denn in dieser Form ist er einfach kaum lesbar. Aber was soll man machen, wenn einen ständig andere Ideen anspringen?

eb3Welches sind für dich die größten Probleme und Schwierigkeiten als Autor?
Mich zuverlässig selbst zu motivieren, wenn draußen die Sonne scheint, die Freunde auf einen Kaffee vorbeikommen möchten oder das Telefon klingelt. Mir da zu sagen: Nein, du hast ein Date mit deinen Protagonisten ist manchmal nicht ganz einfach.

Und dann ist natürlich noch die Vermarktung. Das ist ein immer sehr schwieriges Thema. Der Roman ist da, doch die Leserwelt weiß es noch nicht.

Werden wir dich bei der nächsten Frankfurter bzw. Leipziger oder einer anderen Buchmesse antreffen?
Leipzig wird dieses Jahr wohl nicht klappen, aber in Frankfurt möchte ich dieses Jahr unbedingt dabei sein! Ich würde mich freuen dich und viele meiner Leser dort zu treffen.

Was wünschst du dir für die Zukunft?
Weltfrieden. Die klassische Antwort. Und beruflich? Einen Bestseller nach dem anderen zu schreiben, die Romane erfolgreich in Hollywood Beach Party Flyerverfilmt zu sehen. Okay, jetzt ernsthaft: Ich bin eigentlich sehr zufrieden. Ich bin freie Schriftstellerin und habe das Privileg vom Schreiben meinen Unterhalt bestreiten zu können. Das zu erreichen war ein langer Weg, doch dieses Jahr ging er in Erfüllung. Das verdanke ich meinen Lesern.
Natürlich wäre es sehr schön, wenn meine Romane bald auch in gedruckter Form erhältlich wären. Meine beiden Agenturen arbeiten fleißig daran und wer weiß, was die Zukunft bringt? Ich arbeite weiter und hoffe, meine Leser mit meinen Geschichten unterhalten zu können.

Ich danke dir sehr für die Zeit, die du dir für mich und hoffentlich viele Leser genommen hast!
Viel Erfolg für deine weitere Schriftsteller-Karriere….ich freue mich auf deine nächsten Bücher!

Vielen Dank für das Interview und die guten Wünsche. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht!

EB1Liebe Elke Becker-Fans und die, die es noch werden wollen: 
Meine liebe Interview-Partnerin stellt meinem Blog „Irve liest“ für eine Verlosung ein eBook ihres ChickLit-Romans „Yoga ist auch keine Lösung“ zur Verfügung.
Bekanntermaßen bin ich ja kein Freund dieses Genres, aber Elke Becker macht das irgendwie ganz geschickt…sie schafft es immer, ihren Romanen etwas mehr Niveau einzuhauchen als bei ChickLit meiner Erfahrung nach üblich ist…und schon hat sie mich! Ich kann euch das Buch empfehlen, es ist genau die richtige Lektüre für ein paar erholsame Stunden!

Mit einem Klick auf das Buch-Cover kommt ihr zur Verlosung!

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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4 Antworten zu *+* Irve fragt… Elke Becker *+*

  1. Pingback: *+* Irve verlost…”Yoga ist auch keine Lösung” *+* | Irve liest...

  2. Beate schreibt:

    Das ist ein tolles und sehr interessantes Interview. Ich liebe die Bücher von Elke auch – egal ob Fantasy oder ChickLit. Das Mallorca-Kartell kenne ich aber noch nicht.

    LG Beate

    • irveliest schreibt:

      Biamnca, ‚Das Mallorca-Kartell‘ fand ich sehr interessant. Es ist recht realitätsgetreu im Vergleich zu den anderen Büchern (Elkes Fantasy-Bücher kenne ich noch gar nicht), aber stellenweise ganz schön spannend…
      Hab noch einen schönen Lesesonntag 🙂

  3. Pingback: *+* Meine booky Pläne 2014 …März-Bilanz *+* | Irve liest...

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