*+* Selja Ahava: „Der Tag, an dem ein Wal durch London schwamm“ *+*

+ Emotional, inhaltlich und sprachlich sehr tief +
😀 😀 😀 😀

Der-Tag--an-dem-ein-Wal-durch-London-schwamm-9783866481824_mInhaltsangabe:
Ein zauberhafter Roman über die Kraft der Wörter und der Fantasie »Wäre es möglich, Augenblicke einzufrieren, würde ich diesen in eine Plastikdose legen. Dann könnte man den Winter über davon zehren.« Als es Anna immer weniger gelingt, ihre Erinnerungen festzuhalten, und ihr Gedächtnis langsam unzuverlässiger wird, klammert sie sich an Wortlisten (»Stein, Birke, Gras, Stuhl«) und erfindet Wörter für Dinge, die keinen Namen haben. Im Lauf der Jahre trotzt sie den Zumutungen des Alltags mehr und mehr mit ihrer Vorstellungskraft. Als alte Frau blickt Anna zurück auf ihr Leben, so, wie sie sich daran erinnert, an schöne wie an schwere Momente, an die Zeit in Finnland wie auch den Neuanfang mit Thomas in England. Vor allem erinnert sie sich an ihr Häuschen mit den blauen Vorhängen auf einer Schäreninsel, inmitten von Möwen, Schilf und krummen Kiefern, wo sie die Sommer mit ihrer großen Liebe Antti verbrachte – und natürlich an den Tag, an dem ein Wal durch London schwamm. Ein Roman aus Finnland zum Thema Erinnern und Vergessen, aber auch über die Kraft der Wörter und der Fantasie: märchenhaft, tragikomisch, menschlich – und mit einer unvergesslichen Heldin! (Quelle: lovelybooks.de)

Das Cover:
Es zeigt den Querschnitt eines Gewässers, in dem kleine Teilchen schwimmen. Durchzogen wird der Buchdeckel mit Balken, auf denen der Titel des Buches steht. Der Inhalt des Buches ist auf diese Art und Weise sehr schön eingefangen worden. Die bruchstückhaften Erinnerungen Annas schwimmen im Wasser, werden verwirbelt, sind schwer zu greifen. Die Balken stellen für mich die größeren Erinnerungslücken dar…eine wirklich gelungene Umsetzung des Romans!

Meine Meinung:
„Der Tag, an dem ein Wal durch London schwamm“ beginnt mit einem sehr schönen Vorwort, das allerdings auf eine sehr verworrene Geschichte schließen lässt. Dieser Schein trog mich nicht.
Zu Beginn fühlte ich mich wie ins kalte Wasser geworfen und ich fragte mich an einigen Stellen, wo ich bloß gelandet bin. Der Schreibstil, mit dem die Autorin den Leser konfrontiert, ist sehr gewöhnungsbedürftig…und er ist nicht ohne. Dieses Buch kann man nicht mal eben runterlesen, zuklappen und sich dann das nächste Buch schnappen. Ich denke, entweder man findet sich so wenig zurecht und hat zu wenig Motivation, den Kern des Buches zu erfassen, dass man es ganz schnell zuklappt und weglegt, oder man macht es so, wie ich es getan habe:
Ich habe versucht, die verwirrte Dame kennenzulernen und sie zu verstehen. So wie ich das Geschriebene deute, lebt Anna in einem Pflegeheim. Sie bekommt regelmäßig Besuch von ihrem Bruder, ist allerdings zu krank, um ihn als solchen zu erkennen. Während seiner Besuche erinnert sie sich an ihr Leben, das sie als einen goldenen Strauß bezeichnet. Diese Rückblicke werden aber nicht chronologisch aufgearbeitet. Sie tauchen als sprunghafte Gedankengänge auf, was viele Szenenwechsel zur Ursache hat. Die Erinnerungen tauchen wie Momentaufnahmen bei Anna auf, werden verworren erzählt und kamen mir oft unlogisch vor.
Als ich nach der Lektüre des gesamten Buches allerdings all die verwendeten Metaphern und Sinnbilder als großes Ganzes zu sehen versuchte, ergab schon so manches einen Sinn. Nicht für einen „gesunden“ logisch denkenden Menschen. Für mich ist es aber sehr gut nachvollziehbar konstruiert, dass ein dementer Mensch, der möglicherweise zusätzlich noch an einer psychischen Erkrankung leidet, seine Welt so sieht wie ich sie beim Lesen erlebte und sie für ihn so auch einen Sinn ergibt. Einige Schlagworte tauchten immer wieder auf und passten zum großen Teil zu den wenigen Erinnerungen, die Anna sich aus ihrer Kindheit bewahrt hatte. Jedoch, und das ist für den Leser sehr verwirrend, wird nicht erzählt, wie Annas Erlebnisse damals wirklich waren, sondern wie sie sich jetzt an diese Bruchstücke aus ihrer Vergangenheit erinnert. Diese Puzzle-Teile aus Annas Leben bringen verzerrte, Verwirrung stiftende neue Bilder hervor, sowohl bei der alten Frau als auch bei mir.
Vor allem die Beschreibung der Erkrankung in der finalen Phase ist Selja Ahava hervorragend gelungen. Während des Lesens fühlte ich mich oft sehr unbehaglich, verstört und spürte eine innere Panik.

Dieses Buch ist verwirrend, bitter, surreal, beklemmend, beängstigend, bedrückend, bedauerns- und staunenswert, interessant, verändernd, nachdenklich stimmend, zu Tränen rührend, lesens- und empfehlenswert.
Ist es nicht ein gruseliger Gedanke, sich selbst nicht mehr zu (er)kennen?
Eine bedrückende Lektüre, die den Leser zum Schluss in derselben Verwirrung und Verzweiflung hinterlässt wie sich die Akteurin fühlt.
Der Autorin ist es gelungen, mir als Leser eine unglaubliche Nähe zur Hauptfigur zu verschaffen, die mich emotional sehr an die alte Frau band. Dies verstärkte alle Empfindungen, die ich während des Lesens hatte zusätzlich.

Mit diesem Buch schürft Frau Ahava sehr tief, emotional, inhaltlich und sprachlich….Wow!

Mein Fazit:
Der Inhalt des Romans und dessen sprachliche Umsetzung stimmen grandios mit dem Zustand des Lesers überein, zumindest in meinem Fall! Ein großartiges Buch, für das ich gerne die Höchstwertung vergebe!

Infos zum Buch:
„Der Tag, an dem ein Wal durch London schwamm“ von Selja Ahava ist am 04.02.2014 unter der ISBN-Nr. 9783866481824 im Mare Verlag erschienen. Es umfasst 224 Seiten und ist auch als eBook erhältlich. (Quelle: lovelybooks.de)

*+* Rezensionen und mehr findet ihr auf meinem Blog https://irveliest.wordpress.com *+*

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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