*+* Der Medicus – Der Film *+*

Der-Medicus-9783453471092_xlVor 22 Jahren las ich zum ersten Mal „Der Medicus“ von Noah Gordon und war fasziniert. Die Geschichte, die Beschreibung der Geschehnisse, der Landschaften, der zwischenmenschlichen Entwicklungen und nicht zuletzt das Leben von Rob Cole alias Jesse ben Benjamin zogen mich dermaßen in ihren Bann, dass „Der Medicus“ wohl zum von mir am häufigsten gelesenen Buch avancierte. Zuletzt verbrachten wir vor ein paar Jahren einige wunderschöne Stunden miteinander und es wird nicht allzu lange dauern, bis ich dieses Werk mal wieder genießen möchte. So ist es nicht verwunderlich, das ich mich unglaublich freute, als ich von der Ankündigung des Filmes hörte. Mir war klar, dass ich – obwohl ich momentan nicht so die große Kinogängerin bin – diesen Film unbedingt sehen musste…und zwar so schnell wie möglich!

Vorgestern war es dann so weit. Der Vorspann gefiel mir gut. Die Farben des Mittelalters wurden sehr gut eingefangen, Fragmente aus der Geschichte mit der passenden Musik kombiniert. Überhaupt fand ich die gesamte Gestaltung sehr gut. Sowohl die Kulissen an sich als auch die Menschen, die überzeugend von der Masken- und Kostümabteilung zurecht gemacht wurden, verliehen dem Film eine sehr große Authentizität. Ich ließ mich gefangen nehmen von der Stimmung der damaligen Zeit. Die gnadenlose Darstellung der Lebensumstände und auch die Macht der Krankheiten bedrückten mich, vor allem in England. Die Zustände in Isfahan waren stellenweise ebenso düster, wenn auch in anderen Bereichen, wenn man mal von den überall wütenden Krankheiten absieht. Auch Kulissen, Maske und Kostüm aus diesem Teil des Films standen dem Anfang in nichts nach. Ein weiterer Punkt, der mich begeisterte, war die schauspielerische Leistung der Darsteller. Ich nahm jedem einzelnen Schauspieler seine Rolle ab. Seien es der junge oder der ältere Rob, Ibn Sina, der Schar oder wer auch immer, ich fühlte mich wie mittendrin und verdrängte oft, dass ich ihm Kino saß. Ein Juwel an meinem Filme-Himmel, könnte man meinen…..

….wenn ich nicht diesen einzigen Kritikpunkt hätte. Und der ist leider nicht klitzeklein sondern hebt meinen bisherigen Jubel fast auf…..Denn die Verfilmung des Medicus ist mehr Schein als Sein. Ich sah die Geschichte Isfahans und nicht die Geschichte des angehenden Medicus. Dies fand ich, und finde es noch immer, sehr bedauerlich.
Das Juwel am Bücher-Himmel, mit all seinen tiefen Zeichnungen der Charaktere, der teils filigranen Darstellung einiger Entwicklungen und Passagen musste Platz machen für einen sehr reißerischen Film, der die negativen Aspekte wie Kampf und Seuche sensationslüstern in den Vordergrund drängte. Sehr mainstream-tauglich würde ich sagen. Und dabei ist so viel verloren gegangen. Ich weiß nicht, wer von meinen Lesern das Buch kennt und wie präsent es noch ist. Bei mir hatten sich einige Punkte so massiv festgesetzt und ich wartete vergeblich bis zum Schluss darauf. Natürlich kann man nicht alles berücksichtigen, was in einem mehrere hundert Seiten dicken Buch steht.

Medicu
Da es in der Geschichte um den steinigen Weg zum Medicus geht, mitsamt aller zusätzlichen Probleme, die der Protagonist hatte, geht es mir nicht in den Kopf, warum man den Studenten fast nie lernend sah, im Film gab es nicht eine einzige Prüfung, ebenso fiel die schwierige Wandlung vom Christen zum überzeugenden Juden fast völlig unter den Tisch. Die Freundschaft zwischen Jesse und zwei Mitstudenten wurde nur angedeutet und nicht in ihrer Vielschichtigkeit wiedergegeben. Wer das Buch kennt, wird sich sicher an den Lauf erinnern, für den der angehende Medicus mit seinem Freund trainierte, oder die Phase wie er ganz zu Beginn voller Verzweiflung beim Bader das Jonglieren lernte. Ach, ich könnte noch viele mir wichtige Szenen nennen, die für mich die Seele des Buches ausmachten und sie wurden alle unter den Tisch fallen gelassen oder aber auch verfälscht dargestellt. Wer „Der Medicus – das Buch“ nicht kennt, wird sicher Gefallen an dem Film finden. Wer aber fernab des Mainstream-Feelings eher auf eine sensible Umsetzung des Buches hofft, könnte enttäuscht werden.

Hat denn schon jemand von meinen Lesern den Film gesehen? Eure Meinung interessiert mich….immer…..aber heute ganz besonders!!

(Foto-Quelle: Lovelybooks.de)

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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2 Antworten zu *+* Der Medicus – Der Film *+*

  1. Meerschreibfrau schreibt:

    Hmm, schade…. Danke für den interessanten Bericht.

  2. Tränenherz schreibt:

    Wie bitte willst du 900 Seiten besser darstellen? Der eine der Produzenten wollte eine 10 teilige Serie draus machen, ganz ehrlich, 10 Mal warten? Na ich weiss nicht, der Film war so schon ziemlich lang, da hätte man kaum noch mehr rein packen können. Wenn man ein Buch liest, wird man immer andere Erwartungen haben, weil Fantasie und Umsetzungsmöglichkeiten meistens nicht zusammen passen. Der Film hat eh schon 4 Jahre in der Produktion gedauert. Allerdings fand ich schon, dass man den Medicus begleitet hat, ging doch alles immer um ihn. Und ich bin echt froh, dass ich das Buch vorher nicht gelesen habe. 😉 LG

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