*+*+* Egoismus versus Liebe *+*+*

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Jojo Moyes: „Ein ganzes halbes Jahr“                    :-D :-D :-D :-D :-D

Inhaltsangabe:
Lou & Will. Louisa Clark weiß, dass nicht viele in ihrer kleinen Heimatstadt ihren leicht exzentrischen Modegeschmack teilen. Sie weiß, dass sie gerne als Kellnerin arbeitet und dass sie ihren Freund Patrick eigentlich nicht liebt. Sie weiß nicht, dass sie schon bald ihren Job verlieren wird – und wie tief das Loch ist, in das sie dann fällt. Will Traynor weiß, dass es nie wieder so sein wird, wie vor dem Unfall. Und er weiß, dass er dieses neue Leben nicht führen will. Er weiß nicht, dass er schon bald Lou begegnen wird. Eine Frau und ein Mann. Eine Liebesgeschichte, anders als alle anderen. Die Liebesgeschichte von Lou und Will.

Das Cover:
Es zeigt eine wundervolle Interpretation dieses Romans. Es ist in schwarz-weiß-rot gehalten. Vor einem weißen Hintergrund sieht man in Scherenschnittoptik eine Frau, die auf einer Wiese steht und einen Vogel in die Freiheit fliegen lässt. Umrahmt wird das Cover von einzelnen knallroten Blüten. Treffender hätte man den Inhalt dieses Buches meiner Meinung nach nicht darstellen können.

Meine Zusammenfassung:
Viele Ereignisse führen dazu, dass Lou einen Halbjahresvertrag von Familie Traynor erhält, um deren fast vollständig gelähmten Sohn Will als Gesellschafterin zu stehen. Wie Lou später nach einiger Zeit erfährt, liegt ihrer Einstellung ein misslungener Selbstmordversuch Wills zugrunde, weshalb sie ihren „Patienten“ nun mit anderen Augen sieht und beginnt, ihr Verhalten ihm gegenüber zu verändern. Nach und nach hat sie damit Erfolg bei Will und dringt zu ihm durch. Mit der Zeit kommen sie sich näher und lernen sich immer besser kennen…und man spürt es immer mehr: Die Beiden verlieben sich ineinander. Alles wird gut, könnte man meinen….., oder?

Meine Meinung:
Zu Beginn dieses Romans hatte ich das Gefühl, einen Abklatsch des Filmes „Ziemlich beste Freunde“ zu lesen. Anfangs verläuft die Geschichte noch recht seicht und hin und wieder schien es mir, als sollte uns eine flapsige Komödie verkauft werden. Getreu dem Motto, lass die Hauptakteurin so schusselig und naiv sein wie Bridget Jones und ruckzuck sind Wills Probleme weggelacht. Im Nachhinein verstehe ich warum die Autorin diese Anfangsszenen so extrem geschildert hat, denn mit der Zeit beschreibt sie eine unglaubliche Wandlung vieler Protagonisten. So ist es also notwendig, die entsprechenden Charaktere ziemlich ausführlich und detailreich darzustellen, denn nur so kann man wirklich verstehen, wie deren Entwicklung vonstatten geht und dies ist Frau Moyes wunderbar gelungen. Trotz der Tragweite der Problematik, die hinter dieser Liebesgeschichte steht, lässt sich der Roman wunderbar lesen. Der Schreibstil ist herrlich flüssig und obwohl man einige Male seelisch sehr gefordert wird, überforderte mich die Autorin an keiner Stelle. Besonders gut gelungen fand ich die Kapitel der anderen Sichtweisen. Der Großteil von „Ein ganzes halbes Jahr“ ist in der Ich-Form, aus Sicht von Lou, geschildert. Einige Male wird aber ein Kapitel eingestreut, dass aus der Sichtweise eines anderen Protagonisten z.B. von Wills Pfleger Nathan oder Lous Schwester Treena beschrieben wird. Dies macht die Geschichte für mich noch ein wenig interessanter und fesselnder, denn so erhält man einen kleinen Einblick auch in das Seelenleben der anderen Charaktere. Obwohl Lous Leben in seiner ganzen Depression geschildert wird, versteht man irgendwie, warum sie dennoch an allem und allen hängt. Wills Leben wird ebenfalls in seiner ganzen Verzweiflung beschrieben. In seiner Verzweiflung, in die dank Lou immer öfters ein paar Sonnenstrahlen eindringen. Dennoch konnte ich die ganze Zeit über nachvollziehen warum er den Selbstmordversuch unternommen hatte. Der eine kommt besser mit einem schlimmen Schicksal klar als der andere. Und bei Letzterem nutzen diese paar Sonnenstrahlen nicht, um das Gemüt auf positives Denken und Glücklichsein umzuschalten. Wie schwierig es da für die Angehörigen und Freunde es ist, den Wunsch Wills zu akzeptieren oder auch nur zu verstehen, nicht mehr leben zu wollen, kann man sich vorstellen. Seine Mutter will mit der Brechstange erzwingen, dass ihr Sohn seine Meinung ändert. Er soll leben WOLLEN. Einerseits kann ich als zweifache Mutter gut verstehen, dass sie ihm diesen Lebenswillen mit Macht eintrichtern möchte. Andererseits kann ich auch seinen Wunsch gut nachvollziehen, dieses Elend beenden zu wollen, denn sein jetziges Leben ist für Will nur eine Art Dahinvegetieren, bedenkt man, welches Leben er vor dem schrecklichen Unfall führen konnte. So schlimm es für die Hinterbliebenen auch ist, ich denke man sollte jemandem in einer solchen Situation nicht versuchen, seine Meinung aufzudrängen. Man selbst muss dieses fürchterlich eingeschränkte und völlig von anderen abhängige Leben ja nicht führen. Es gibt wohl keinen größeren Liebesbeweis als diesen Wunsch zu akzeptieren und sich nicht á la Vogel Strauß aus der Verantwortung zu stehlen. Der Wunsch, den geliebten Menschen zwingend am Leben zu erhalten, entspringt wohl einer guten Portion Egoismus, dabei würde die Liebe zu diesem Menschen das genaue Gegenteil verlangen.
Die Entwicklung der Beziehung zwischen Lou und Will ist sehr überzeugend dargestellt. An einigen Stellen fragte ich mich, wer eigentlich den anderen mehr braucht. Will Lou oder Lou Will. Es ist großartig wie er es schafft, sie aus ihrem Schneckenhaus zu holen und ihr zu zeigen, was in ihr steckt. Und wozu sie fähig ist, wenn sie es nur zulässt.
Dieses Buch ist ein Liebesroman mit Tiefgang, der mich in seiner Vielschichtigkeit überrascht hat. Die Geschichte handelt nicht nur von Wills Behinderung und seinen Problemen, die er damit hat. Sie beschreibt auch sehr gut, wie jeder mit vielen anderen verbunden ist und wieviele Dinge miteinander verwoben sind und zusammenhängen. Sich mit anderen zu beschäftigen, erweitert den Horizont. Lässt man sich auf andere ein, bleibt man nicht komplett so wie man vorher war sondern ändert sich. Manchmal nur in kleinen Details, manchmal – wie in Lous Fall – zukunftsweisend.

Mein Fazit:
Wer Liebesromane mag, die nicht kitschig sondern realitätsnah sind und zum Nachdenken anregen, wird mit diesem Buch wundervolle Stunden verbringen.

Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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3 Antworten zu *+*+* Egoismus versus Liebe *+*+*

  1. lesenundmehr schreibt:

    Ich fand das Buch auch sooo toll, und hab die letzten Seiten nur geheult…
    LG

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